Das Bienenvolk

Ein Honigbienenvolk besteht aus drei Bienen-Typen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Sie sind voneinander abhängig und können einzeln nicht überleben.

Königin
Einzige eierlegende Biene im Volk. Lebt mehrere Jahre, in der Saison legt sie bis zu 2000 Eier pro Tag. Verantwortlich für die Eigenschaften des Volks (Sanftmut, Honigertrag, Krankheitsanfälligkeit).
Arbeiterinnen
Weibliche Bienen, die je nach Alter unterschiedliche Aufgaben übernehmen: Zellenreinigung, Brutpflege, Wabenbau, Wachenstehen am Flugloch und schließlich Sammeln von Nektar und Pollen. Sommerbienen leben vier bis sechs Wochen, Winterbienen acht bis zehn Monate.
Drohnen
Männliche Bienen. Einzige Aufgabe: Begattung junger Königinnen. Schlüpfen im Frühjahr, werden im Spätsommer aus dem Volk abgedrängt („Drohnenschlacht").

Was Imkern bedeutet

Bienenhaltung ist näher an der Gartenarbeit als an der Tierhaltung. Bienen brauchen keinen täglichen Eingriff — sie organisieren sich selbst. Der Imker beobachtet, ergänzt was fehlt und greift gezielt ein, wenn es notwendig wird.

Der Arbeitsaufwand verteilt sich ungleichmäßig über das Jahr: Schwerpunkt von April bis September, in den Wintermonaten kaum Arbeit am Volk. Die meisten Eingriffe folgen einem festen Rhythmus — Schwarmkontrolle alle sieben bis neun Tage in der Schwarmzeit, Honigernte zwei- bis dreimal pro Saison, Varroabehandlung im Spätsommer und im Winter.

Das Bienenjahr im Überblick

Das Bienenjahr orientiert sich am Verlauf der Vegetation, nicht am Kalender. Die folgenden Zeiträume sind grobe Richtwerte für das bayerische Mittelgebirge.

Frühjahr (März bis Mai)

Die Königin steigert die Eierlage. Das Volk wächst rasch, die ersten Tracht­quellen (Weide, Hasel, Krokus, später Obstblüte und Löwenzahn) werden angeflogen. Schwarmzeit beginnt im Mai. Der Imker prüft den Volkszustand, gibt zusätzliche Zargen für die Erweiterung und kontrolliert wöchentlich auf Schwarmzellen.

Sommer (Juni bis August)

Hauptsammelzeit. Wald-, Linden- und Sommerblütentracht. Die ersten Honigernten finden statt. Bei hohen Temperaturen kühlen die Bienen ihren Stock durch Flügelfächeln und Wassereintrag. Nach der letzten Schleuderung beginnt die Einfütterung für den Winter.

Herbst (September bis Oktober)

Auffütterung und Varroabehandlung. Das Volk verkleinert sich, die Winterbienen schlüpfen. Drohnen werden abgedrängt. Der Imker prüft Volksstärke und Futtervorrat, kontrolliert den natürlichen Milbenabfall.

Winter (November bis Februar)

Das Volk bildet die Wintertraube und hält durch Muskelzittern die Temperatur im Brutbereich konstant. Wenig Arbeit am Volk — die Restentmilbung erfolgt bei brutfreier Zeit, meist im Dezember. Zeit für Materialarbeiten: Rähmchen einlöten, Beuten reinigen, Wachs verarbeiten.

Grundbegriffe

Die wichtigsten Begriffe der Imkerei, knapp erklärt.

Beute
Die künstliche Behausung eines Bienenvolks. Besteht aus Boden, Zargen, Deckel und Flugloch. Üblich sind Magazinbeuten mit stapelbaren Zargen.
Zarge
Einzelne Etage einer Magazinbeute. Brutraum-Zargen und Honigraum-Zargen werden gestapelt. In Niederbayern verbreitet: Zandermaß (10 Rähmchen pro Zarge).
Rähmchen
Hölzerner Rahmen, der in die Zarge gehängt wird. Trägt die Wabe, die von den Bienen auf einer eingespannten Mittelwand aufgebaut wird.
Mittelwand
Dünne Wachsplatte mit vorgeprägtem Zellenmuster. Wird im Rähmchen befestigt und dient als Bauvorlage für die Bienen.
Wabe
Sechseckiges Zellenwerk aus Bienenwachs. Dient zur Brutaufzucht, zur Pollen- und Honiglagerung.
Brutraum / Honigraum
Räumliche Trennung im Volk: Im Brutraum legt die Königin Eier, im Honigraum wird der erntefähige Honig eingelagert. Ein Absperrgitter zwischen beiden hält die Königin im Brutraum.
Schwarm
Vermehrungsform des Bienenvolks. Die alte Königin verlässt mit einem Teil der Bienen den Stock. Hauptschwarmzeit: Mai bis Juni.
Ableger
Vom Imker gebildetes Jungvolk. Aus einem Wirtschaftsvolk werden Brutwaben mit ansitzenden Bienen entnommen und in eine eigene Beute gesetzt. Eine neue Königin wird nachgezogen oder zugesetzt.
Kunstschwarm
Vom Imker erzeugter Schwarm. Bienen werden aus einem oder mehreren Völkern abgekehrt und mit einer zugesetzten Königin in eine neue Beute eingeschlagen.
Smoker
Räuchergerät. Erzeugt kühlen Rauch, der die Bienen beruhigt und das Öffnen des Volks erleichtert.
Stockmeißel
Wichtigstes Handwerkzeug. Zum Lösen verkitteter Zargen und Rähmchen, zum Abkratzen von Wachs- und Propolisanbau.
Tracht
Verfügbares Nektar- und Pollenangebot in der Umgebung des Bienenstands. Haupttrachten in Bayern: Obstblüte, Raps, Löwenzahn, Linde, Wald.
Volk / Wirtschaftsvolk
Ein voll entwickeltes Bienenvolk mit Königin, Arbeiterinnen, Drohnen und Brut. Ein Wirtschaftsvolk bringt Honigerträge — in Bayern im Durchschnitt 20 bis 25 Kilogramm pro Jahr.

Werde ich gestochen?

Stiche gehören dazu, fallen aber bei sanftmütigen Völkern und ruhigem Arbeiten nicht bei jedem Eingriff an. Für die meisten Menschen sind sie harmlos — örtliche Schwellung und Juckreiz für ein bis zwei Tage.

Eine diagnostizierte Bienengiftallergie ist ein Ausschluss­kriterium für die Imkerei. Wer unsicher ist, lässt sich beim Allergologen testen, bevor er mit der Bienenhaltung beginnt. Schutzkleidung (Schleier, Jacke, Handschuhe) reduziert das Risiko deutlich.

Wo weiterlesen

Vertiefende Inhalte zu einzelnen Themen finden sich auf den jeweiligen Themenseiten:

Quellen

  • Foxhound Bee Company — Master Guide: Beekeeping for Beginners. foxhoundbeecompany.com
  • Stallbedarf24 Ratgeber — Bienen — Alles Wissenswerte auf einen Blick! stallbedarf24.de
  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei — Basisteil Anfängerkurs. lwg.bayern.de