Die Rolle der Königin

Die Königin ist die einzige geschlechtsreife Weibchen im Volk und damit das einzige Muttertier. Alle Eigenschaften der Arbeiterinnen — Sanftmut, Fleiß, Krankheitsresistenz, Honigleistung — gehen auf ihre genetische Veranlagung zurück.

Sie legt in der Hauptzeit bis zu 2000 Eier pro Tag — mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Befruchtete Eier ergeben Arbeiterinnen, unbefruchtete Eier (Parthenogenese) Drohnen. Ihre Pheromone halten das Volk zusammen und unterdrücken die Eierstockentwicklung der Arbeiterinnen.

Eine Königin kann mehrere Jahre alt werden. Ihre Legeleistung lässt mit dem Alter nach, im dritten Jahr meist deutlich.

Aussehen und Erkennen

Die Königin ist länger als eine Arbeiterin (etwa 18 bis 22 mm), hat einen längeren, schlankeren Hinterleib und kürzere Flügel im Verhältnis zum Körper. Im geöffneten Volk wirkt sie auf einer besetzten Wabe oft wie ein „bewegter Punkt" — die umgebenden Arbeiterinnen weichen ihr aus und schaffen einen kleinen Hof um sie herum.

Im Volk halten sich meist mehrere Hofstaat-Bienen direkt um die Königin und füttern sie mit Gelée Royale.

Bienenrassen in Bayern

Wegen der Standbegattung — die Königin paart sich in der Luft mit Drohnen aus der Umgebung — sollte eine Rasse gewählt werden, die in der Nachbarschaft ebenfalls vertreten ist. Sonst kommt es zu unkontrollierten Kreuzungen.

Carnica
Verbreitetste Rasse in Bayern. Sanftmütig, schwarm­träge im modernen Zuchtstand, gute Wintertraube, schnelles Frühjahr.
Dunkle Biene
Ursprünglich heimisch in Mitteleuropa. Robust, gut an raue Mittelgebirgs­klimate angepasst. In Bayern in geschützten Beständen wieder verstärkt erhalten.
Buckfast
Rassehybrid aus Südengland. Hohe Honigleistung, sanftmütig. Begattungen müssen auf reinen Belegstellen kontrolliert werden, sonst spalten sich die Eigenschaften in den Folgegenerationen unkontrolliert auf.

Königinnenzeichnung

Imker markieren ihre Königinnen mit einem kleinen Farbpunkt auf dem Brustkorb. Der Punkt erleichtert das Auffinden auf der Wabe und gibt das Schlupfjahr an. Ein international einheitlicher Farbcode regelt das:

Weiß
Jahre mit Endziffer 1 oder 6 (z.B. 2026)
Gelb
Jahre mit Endziffer 2 oder 7
Rot
Jahre mit Endziffer 3 oder 8
Grün
Jahre mit Endziffer 4 oder 9
Blau
Jahre mit Endziffer 5 oder 0

Die Markierung erfolgt mit Opalithplättchen oder speziellen Markierungsstiften. Ein Königinnenfangclip oder ein Zeichenröhrchen mit Schaumstoffschwamm hält die Königin dabei ruhig.

Begattung und Belegstellen

Eine junge Königin verlässt den Stock für einen oder mehrere Begattungsflüge. Dabei paart sie sich mit zehn bis zwanzig Drohnen auf sogenannten Drohnen­sammelplätzen, hoch in der Luft. Die Spermien werden in der Samenblase gespeichert und reichen für das ganze Königinnen­leben.

Für reine Rassezucht gibt es in Bayern staatlich anerkannte Belegstellen — Bereiche, in denen nur Drohnen einer bestimmten Zuchtrichtung vorgehalten werden. Das Verbringen von Bienen anderer Herkunft in den Schutzkreis einer Belegstelle ist verboten.

Eigenschaften und Auswahl

Für die Beurteilung einer Königin (und damit des Volks) sind folgende Eigenschaften maßgeblich:

Sanftmut
Das Volk lässt sich bei normalem Wetter ohne Schutzkleidung öffnen, ohne dass Bienen anfliegen.
Wabensitz
Die Bienen bleiben beim Öffnen ruhig auf den Waben sitzen, laufen nicht herunter und bilden keine nervösen Anhäufungen.
Schwarmtrieb
Geringe Neigung zur Schwarmbildung. Einmaliges Brechen der Schwarmzellen sollte ausreichen, damit das Volk seinen Schwarmplan aufgibt.
Honigertrag
Bayerischer Durchschnitt: 20 bis 25 Kilogramm pro Volk und Jahr. Gute Königinnen liegen darüber.
Krankheitsresistenz
Geringe Anfälligkeit für Brut- und Verdauungskrankheiten, hohe Toleranz gegenüber Parasiten wie der Varroamilbe.

Leistungsprüfung

In Bayern müssen Verkaufszüchter, die mehr als 50 Königinnen pro Jahr abgeben, Königinnen aus ihrem Bestand zur staatlichen Leistungsprüfung bringen. Das Institut für Bienenkunde und Imkerei der LWG koordiniert die Prüfung an drei Standorten:

  • Flachland — Prüfhof Thüngersheim
  • Mittelgebirge — Prüfhof Kringell
  • Alpenvorland — Prüfhof Guglhör

Die Ergebnisse werden jährlich auf lwg.bayern.de und in den Fachzeitschriften veröffentlicht. Sie geben eine objektive Orientierung über die Qualität verschiedener Königinnenherkünfte.

Umweiselung

Verliert ein Volk seine Königin — durch Tod, Unfall oder Schwarm — versucht es, sich selbst eine neue zu ziehen. Aus einer jungen Larve in einer eigens errichteten Weiselzelle entwickelt sich die Nachfolgerin.

Drei Arten von Königinnenzellen unterscheidet der Imker:

Schwarmzellen
Werden gebildet, wenn das Volk schwärmen will. Befinden sich meist an den Wabenrändern, in größerer Zahl.
Nachschaffungszellen
Notmaßnahme nach plötzlichem Verlust der Königin. Aus einer normalen Arbeiterinnenlarve wird durch besondere Pflege eine Königin gezogen. Sitzen mitten in der Brutfläche.
Stille Umweiselungszellen
Das Volk ersetzt eine alte oder beschädigte Königin, ohne dass es zum Schwarm kommt. Meist nur ein oder zwei Zellen, oft an ungewöhnlichen Stellen der Wabe.

Zusetzen einer neuen Königin

Wer eine Königin gezielt austauscht, muss sie behutsam einführen. Ein direktes Einbringen führt fast immer dazu, dass die fremde Königin von den Arbeiterinnen abgestochen wird.

Üblich sind Zusetzkäfige mit Futterteig­verschluss. Die Bienen fressen sich in ein bis fünf Tagen durch den Futterteig und gewöhnen sich währenddessen an den Geruch der Königin. Wichtig: gute Belüftung des Käfigs, sonst stirbt die Königin durch Hitzestau.

Quellen

  • Foxhound Bee Company — Master Guide: Beekeeping for Beginners. foxhoundbeecompany.com
  • Stallbedarf24 Ratgeber — Bienen — Alles Wissenswerte auf einen Blick! stallbedarf24.de
  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei — Basisteil Anfängerkurs. lwg.bayern.de