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Steckbrief Honigbiene
- Wissenschaftlicher Name
- Apis mellifera — die Westliche Honigbiene
- Größe
- 10 bis 18 Millimeter, je nach Bienentyp
- Gewicht
- Arbeiterin etwa 80 mg, Königin bis 300 mg
- Lebenserwartung
- Sommerbiene 4 bis 6 Wochen, Winterbiene 8 bis 10 Monate,
Königin mehrere Jahre
- Volksstärke
- Sommerlich 40.000 bis 60.000 Bienen, im Winter etwa
5.000 bis 15.000
- Ernährung
- Nektar (Kohlenhydrate) und Pollen (Eiweiß, Fett, Mineralien)
Honigbiene und Wildbienen
In Deutschland leben etwa 600 Wildbienenarten. Die meisten leben
solitär — also einzeln — und sind keine Sozialinsekten wie die
Honigbiene. Sie legen ihre Brut in selbst angelegten Kammern aus
Erde, Holz oder Hohlräumen ab und versorgen sie mit einer Mischung
aus Pollen und Nektar.
Die Honigbiene ist die einzige in Mitteleuropa weit verbreitete
soziale Bienenart. Sie lebt in einem Staat aus Königin, Arbeiterinnen
und Drohnen, baut Wachswaben und überwintert als Volk.
Bienenrassen in Bayern
- Carnica (Apis mellifera carnica)
- Auch Kärntner Biene oder Graue Biene genannt. Verbreitetste
Bienenrasse in Bayern. Hat in den letzten Jahrzehnten die
intensivste züchterische Anpassung an die aktuellen
Umweltbedingungen erfahren.
- Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera)
- Die ursprünglich in Mitteleuropa heimische Biene. Wurde durch
die Carnica weitgehend verdrängt. Heute wieder gezielt erhalten
und gezüchtet, vor allem in geschützten Ökotypen.
- Buckfast
- Rassehybrid mit Ursprung im Buckfast-Kloster in Südengland.
Aus Kombinationszucht entstanden. Für Wirtschaftsvölker erst ab
etwa der fünften Generationenfolge stabil.
Aufgaben im Volk — die Bienenkarriere
Eine Arbeiterin wechselt im Laufe ihres Lebens mehrfach die Aufgabe.
Die Reihenfolge ist altersabhängig und biochemisch gesteuert:
- Tag 1–3: Zellenreinigung — frisch geschlüpfte
Bienen putzen die leeren Zellen für neue Eier.
- Tag 4–12: Brutpflege und Ammendienst — Füttern
der Larven mit Futtersaft.
- Tag 12–18: Baubienen — Wachs wird über
Drüsen ausgeschwitzt und zu Waben verarbeitet. Honig wird
eingelagert und versiegelt.
- Tag 18–21: Wächterinnen am Flugloch — Verteidigung
gegen Eindringlinge, Geruchskontrolle.
- Ab Tag 21: Sammelbienen — Nektar, Pollen, Wasser
und Kittharz werden eingetragen. Diese letzte Phase dauert nur
noch etwa 18 Tage, dann ist die Sommerbiene erschöpft.
Sommerbienen und Winterbienen
Bienen, die im Sommer schlüpfen, leben nur vier bis sechs Wochen —
das Sammeln zehrt sie auf. Bienen, die ab Spätsommer schlüpfen,
werden Winterbienen genannt. Sie haben dasselbe Erbgut wie
Sommerbienen, aber besser ausgebildete Fettkörper.
Diese Fettreserven unterdrücken die Produktion des Alterungshormons
Juvenil. Solange Fett vorhanden ist, altern die Winterbienen langsamer
und können acht bis zehn Monate alt werden. Ihre Aufgabe: die
Wintertraube bilden und das Volk inklusive Königin bis zum Frühjahr
durchbringen.
In der Traube sammeln sich die Bienen kugelförmig um die Königin
und erzeugen durch Muskelzittern Wärme. Außen wird es kühler,
innen bleibt die Brutnesttemperatur bei etwa 35 °C. Die äußeren
Bienen werden regelmäßig nach innen abgelöst.
Die Sinne der Biene
- Sehen
- Facettenaugen mit tausenden Einzelaugen. Bienen sehen Blau,
Gelb und Ultraviolett — aber kein Rot. UV-Markierungen in Blüten,
die für Menschen unsichtbar sind, dienen ihnen als Wegweiser zum
Nektar.
- Riechen
- Die Antennen tragen bis zu 60.000 Duftrezeptoren. Bienen können
unterschiedliche Blütendüfte trennen und den Stockgeruch ihrer
Artgenossen erkennen — wichtig für die Identifikation am Flugloch.
- Tasten
- Die Antennen dienen auch als Tastsinn. Borstenfelder messen
Luftströmungen im Flug.
- Schmecken
- Geschmackssinn an der Zungenwurzel. Bienen schmecken süß
(ab etwa 4 % Zuckerlösung), sauer und salzig — bitter nicht.
- Zeitempfinden
- Bienen merken sich Tageszeiten, zu denen bestimmte Pflanzen
Nektar produzieren, und passen ihren Sammelflug entsprechend an.
Kommunikation im Volk
Bienen verständigen sich über Düfte und Bewegung. Karl von Frisch
entschlüsselte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die
Bienentänze und erhielt dafür 1973 den Nobelpreis für Medizin.
- Rundtanz
- Signalisiert eine Nahrungsquelle in der Nähe — bis etwa
100 Meter vom Stock entfernt. Richtung wird nicht angegeben.
- Schwänzeltanz
- Signalisiert weiter entfernte Quellen. Der Winkel der
Schwänzelstrecke zur Senkrechten entspricht dem Winkel zwischen
Sonne und Nahrungsquelle. Die Dauer des Schwänzelns gibt die
Entfernung an.
- Stockgeruch
- Jedes Volk hat einen eigenen, einzigartigen Geruch. Wächterinnen
am Flugloch lassen nur Bienen mit dem passenden Stockgeruch
eintreten.
- Pheromone
- Die Königin gibt Duftstoffe ab, die das Volk zusammenhalten.
Geht die Königin verloren, fehlt dieses Pheromon — das Volk wird
unruhig und beginnt, eine neue Königin zu ziehen.
Der Wabenbau
Bienen erzeugen Wachs in Drüsen an der Unterseite ihres Hinterleibs.
Die Wachsplättchen werden mit den Mundwerkzeugen zu sechseckigen
Zellen geformt. Die Sechseckform ist statisch ideal: maximale
Stabilität bei minimalem Materialverbrauch.
Eine Wabe dient mehreren Zwecken: Brutaufzucht (Brutnest mit
konstanter Temperatur um 35 °C), Pollenlagerung am Brutrand und
Honiglagerung im oberen Bereich. Volle Honigwaben werden mit einem
Wachsdeckel verschlossen — daran erkennt der Imker, dass der Honig
reif für die Ernte ist.
Biene oder Wespe?
Die häufigste Verwechslung im Sommer:
- Aussehen
- Bienen sind dunkelgelb-braun gestreift und behaart. Wespen
haben kräftig schwarz-gelbe Streifen, sind glatter und haben die
ausgeprägte „Wespentaille".
- Ernährung
- Bienen leben rein pflanzlich von Nektar und Pollen. Wespen
sind auch Fleischfresser und interessieren sich für menschliche
Speisen.
- Stachel
- Bienen stechen nur zur Verteidigung — der Stachel mit
Widerhaken bleibt in der Haut stecken, die Biene stirbt. Wespen
können mehrfach stechen.
- Nest
- Bienen bauen Wachswaben. Wespen erzeugen ihr Nest aus
zerkautem Holz, Speichel und Papier — keine Waben sichtbar.
Natürliche Feinde
Bienen haben eine Reihe von natürlichen Gegnern. Die wichtigsten:
- Vögel — Bienenfresser, Spechte, gelegentlich Meisen am Flugloch
- Mäuse — können im Winter in die Beute eindringen, wenn das
Flugloch nicht durch ein Mäusegitter gesichert ist
- Hornissen und Wespen — räuberischer Anflug am Flugloch
- Räuberische Insekten — Bienenwolf (Grabwespe), Raubfliegen,
Dickkopffliegen
- Pilze und Bakterien — Erreger der Bienenkrankheiten
Eine eigene Bedrohungskategorie sind eingeschleppte Schädlinge wie
die Varroamilbe oder neuere Gefahren wie die Asiatische Hornisse
und die Tropilaelaps-Milbe. Mehr dazu auf der Seite
Schädlinge und Krankheiten.
Quellen
- Foxhound Bee Company — Master Guide: Beekeeping for Beginners.
foxhoundbeecompany.com
- Stallbedarf24 Ratgeber — Bienen — Alles Wissenswerte auf einen Blick!
stallbedarf24.de
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei — Basisteil Anfängerkurs.
lwg.bayern.de