Warum gefüttert wird

Bienen sammeln im Sommer Nektar und legen ihn als Honig in den Waben ein. Davon leben sie auch über den Winter. Wird ein wesentlicher Teil der Wintervorräte vom Imker entnommen, muss Ersatz geschaffen werden — sonst verhungert das Volk.

Die wichtigsten Fütterungsarten unterscheiden sich nach Zeitpunkt und Zweck: Einfütterung im Spätsommer, Reizfütterung im Frühjahr, Notfütterung bei Engpässen.

Einfütterung (Spätsommer)

Nach der letzten Honigschleuderung — meist Ende Juli oder im August — beginnt der Imker mit der Auffütterung für den Winter. Das Volk braucht in dieser Phase ungestörte Ruhe und ausreichend Vorrat, damit die Winterbienen kräftig schlüpfen können.

Übliche Futtermenge für ein Wirtschaftsvolk: 15 bis 20 Kilogramm Zucker (entspricht etwa 18 bis 25 Liter Futtersirup). Die genaue Menge richtet sich nach Volksstärke, Beutensystem und Klimazone.

Wichtig: die Fütterung zügig durchführen — über zwei bis vier Wochen aufgeteilt — und vor Ende September abschließen, damit die Bienen das Futter noch sauber einlagern und versiegeln können.

Reizfütterung (Frühjahr)

Bei Bedarf kann der Imker im Frühjahr durch geringe Futtergaben die Königin zu verstärkter Eierlage anregen. Das simuliert Trachteintrag und beschleunigt die Volksentwicklung — etwa vor einer frühen Tracht oder wenn das Volk schwach aus dem Winter kommt.

Vorsicht: Reizfütterung erhöht den Bedarf an Pollen und kann ohne ausreichenden Pollen­eintrag das Volk schwächen statt stärken. Erfahrene Imker raten zur Zurückhaltung.

Notfütterung

Manchmal reichen die Vorräte nicht — zu lange Trachtlücke, später Kälteeinbruch, schwacher Honigeintrag im Sommer. Wenn die Bienen keinen sichtbaren Honig­vorrat mehr haben oder kaum noch fliegen, muss notgefüttert werden.

Im Winter eignet sich Futterteig am besten — er wird nicht zu kaltem Sirup verarbeitet und stört die Wintertraube nicht. In der warmen Jahreszeit ist Flüssigfutter (Zuckerwasser oder Fertigsirup) schneller aufgenommen.

Futtermittel

Zuckerwasser
Selbst angesetzt aus Kristallzucker und Wasser, meist im Verhältnis 3:2 (3 kg Zucker, 2 Liter Wasser). Günstig, aber arbeitsintensiv beim Ansetzen und Verfüttern.
Fertigsirup
Industriell hergestellter Invertzuckersirup auf Basis von Saccharose, Fructose oder Stärke. Wird in Kanistern oder Eimern angeboten. Bequem, gleichbleibende Qualität, gebrauchsfertig.
Futterteig
Zähe Masse aus Puderzucker, Invertzucker und Wasser. Eignet sich für Notfütterung im Winter und für kleine Volkseinheiten wie Ableger. Wird in Folienbeuteln oder Kartons angeboten.
Honig aus dem eigenen Bestand
Möglich, aber riskant. Fremder Honig darf wegen Krankheits­übertragung nie verfüttert werden — speziell Faulbrut­sporen sind langlebig.

Futtereinrichtungen

Futterzarge
Wird wie eine normale Zarge auf das Volk aufgesetzt. Enthält eine Wanne mit 5 bis 8 Liter Volumen. Die Bienen steigen über eine Aufstiegshilfe seitlich oder mittig hinauf. Bequemste Variante für die Winterfütterung.
Futtertasche
Hat die Form eines Rähmchens und wird im Volk eingehängt, nahe am Bienensitz. Praktisch bei Ablegern und für gezielte Futtergaben in einzelne Volkseinheiten.
Futtereimer mit perforiertem Deckel
Lebensmittelechter Eimer mit Löchern im Deckel. Wird umgedreht auf die Rähmchen einer Leerzarge gestellt. Im Eimer entsteht ein Unterdruck, der Futter tropft nur langsam aus.
Futtereimer mit Schwimmer
Offene Wanne mit Schwimmern (z.B. Korken), in eine Leerzarge gestellt. Wichtig: die Wände müssen rau sein, sonst ertrinken die Bienen oder kommen nicht mehr heraus.

Was zu vermeiden ist

  • Fremder Honig — kann Krankheitserreger übertragen. Tabu.
  • Brauner Zucker, Vollrohrzucker, Melasse — enthält Anteile, die Bienen schlecht verdauen können. Auswinterungsverluste durch Ruhrkrankheit drohen.
  • Honigtau allein als Wintervorrat — kann zu Verstopfung und Auswinterungsproblemen führen. Bei reiner Waldhonigtracht muss umgefüttert werden.
  • Offene Fütterung im Bienenstand — lockt fremde Bienen an, fördert Räuberei und Krankheits­übertragung zwischen Völkern.
  • Späte Fütterung im Oktober/November — Bienen können das Futter nicht mehr sauber einlagern und versiegeln. Risiko: feuchtes Futter, Schimmel, Auswinterungsverluste.

Quellen

  • Foxhound Bee Company — Feeding Bees Blog-Kategorie. foxhoundbeecompany.com
  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei — Basisteil Anfängerkurs. lwg.bayern.de