← Zurück zur Themenübersicht
Vor dem Eingriff
- Wetter prüfen. Volk nur bei mindestens 12 °C
und windstillem Wetter öffnen. An kühlen oder regnerischen
Tagen sitzen die Bienen kompakt zusammen — eine Inspektion
stört sie unnötig.
- Tageszeit beachten. Später Vormittag bis
früher Nachmittag ist optimal. Dann sind viele Sammlerinnen
unterwegs, im Stock ist es ruhiger.
- Werkzeug vorbereiten. Smoker brennt, Stockkarte
dabei, Schutzkleidung an. Wer zwischendurch suchen muss,
arbeitet langsamer und die Bienen werden unruhig.
- Smoker rechtzeitig anzünden. Mindestens fünf
Minuten vor dem Öffnen, damit ruhiger Rauch in dichten Schwaden
zur Verfügung steht.
Flugloch lesen
Viel von dem, was im Volk passiert, lässt sich am Flugloch
beobachten — ohne die Beute zu öffnen:
- Bienen tragen Pollen ein. Volk hat eine
legende Königin, Brut wird aufgezogen.
- Drohnen am Flugloch. Mai bis August üblich.
Im September verschwinden sie — Zeichen der einsetzenden
Wintervorbereitung.
- Hektisches Schwirren vor dem Flugloch. Kann
Räuberei sein — fremde Bienen versuchen einzudringen. Flugloch
verengen, schwaches Volk schützen.
- Tote Bienen vor der Beute. Im Frühjahr
normaler Totenfall des Winters. Im Sommer Hinweis auf
Krankheit, Vergiftung oder Brutprobleme.
- Kotspritzer am Flugloch. Hinweis auf
Nosemose oder andere Verdauungskrankheiten.
Beim Öffnen
- Wenig Rauch. Zwei bis drei sanfte Puffs
reichen meist. Zuviel Rauch macht das Volk aufgeregt — die
Königin kann schwer zu finden sein.
- Ruhige Bewegungen. Hektik überträgt sich.
Wer langsam und sicher arbeitet, wird seltener gestochen.
- Seitlich anstehen, nicht im Flugloch. Bienen
fliegen geradeaus aus — wer in der Flugschneise steht, wird
dauernd angestoßen.
- Erste Wabe vorsichtig. Beim ersten Zug
eine Randwabe ziehen — dort ist meist keine Königin, und es
schafft Platz für die folgenden Waben.
- Rähmchen senkrecht halten. Waagrecht
gehalten können frisch gefüllte Honigwaben brechen.
Smoker — Brennmaterial
Guter Rauch ist kühl, dicht und ungiftig. Ungeeignet sind alle
chemisch behandelten Materialien — kein Karton mit Druckfarbe,
kein lackiertes Holz, keine Kunststoffe.
Bewährte Brennmaterialien:
- Getrocknetes morsches Holz
- Getrockneter Apfeltrester
- Hobel- und Sägespäne aus unbehandeltem Holz
- Getrocknete Kräuter (Lavendel, Salbei) für angenehmeren Geruch
- Spezielle Smoker-Pellets aus dem Imkereibedarf
Zum Anzünden eignet sich ein Kaminfeuerzeug mit langem Stab.
Pappkartons mit Druckfarbe besser nicht — Schadstoffe im Rauch.
Schwarmkontrolle
- Wöchentlich kontrollieren. Vom ersten warmen
April-Wochenende bis Mitte Juni. Mit fortschreitender Saison
werden die Abstände länger.
- Auf Spielnäpfchen achten. Vorstufe der
Schwarmzelle — kleine, leere Königinnenzellen am unteren
Wabenrand. Noch kein Grund zur Panik, aber Auslöser für genaues
Hinsehen.
- Bestiftete Schwarmzellen sind das Alarmsignal.
Spätestens jetzt muss reagiert werden — Schröpfen, Ableger
bilden oder andere Maßnahmen.
- Kippkontrolle bei Zweibrutraum-System. Die
obere Brutzarge wird angehoben und von unten gegen das Licht
gehalten. Schwarmzellen am Unterträger werden so schnell
sichtbar, ohne dass jede Wabe einzeln gezogen werden muss.
Honigernte
- Verdeckelungsgrad prüfen. Mindestens zwei
Drittel der Wabe sollte verdeckelt sein — dann ist der
Wassergehalt im Zielbereich.
- Schwingprobe. Wabe waagrecht halten und
kräftig nach unten schwingen. Spritzt Honig heraus, ist er
noch nicht reif. Bleibt alles in den Zellen, kann geerntet
werden.
- Refraktometer kalibrieren. Vor der ersten
Messung mit destilliertem Wasser oder einer Eichlösung prüfen.
Ein verstelltes Gerät gibt falsche Werte.
- Bienenflucht statt Abkehren. Zwischenboden
mit Bienenflucht am Vortag einsetzen — am nächsten Morgen ist
der Honigraum bienenfrei und kann ohne Stress entnommen werden.
- Sauberkeit im Schleuderraum. Lebensmittelbereich.
Edelstahl ist die erste Wahl, Plastik nur lebensmittelecht.
Tropfender Honig zieht in Sekunden Bienen und Wespen an —
Türen geschlossen halten.
Wabenlagerung
- Trocken und kühl. Wachsmotten lieben es
warm und dunkel. Ein luftiger, kühler Lagerraum (unter 10 °C
ideal) hält sie fern.
- Aufrecht und durchlüftet stapeln. Waben in
Zargen mit etwas Abstand, damit Luft zirkulieren kann.
- Tiefkühlen tötet Eier und Larven der Wachsmotte.
24 bis 48 Stunden bei −15 °C, dann luftig lagern.
- Schwefeln als Notmaßnahme bei Befall. Vorsicht:
giftig, nur in dichten Räumen, Sicherheitsabstand. Bei
Lebensmittelwaben Rückstände beachten.
- Paradichlorbenzol vermeiden. War früher
üblich, hinterlässt Rückstände in Wachs und Honig. Nicht
empfehlenswert.
Ergonomie und Sicherheit
- Beutenhöhe anpassen. Untergestell so wählen,
dass die obere Zarge auf etwa Hüfthöhe steht. Spart Rücken bei
jedem Eingriff.
- Honigzargen aufteilen. Volle Zander-Zargen
wiegen 25 bis 30 Kilogramm. Wer Rückenprobleme hat, arbeitet
besser mit Halbzargen oder einer Hebehilfe.
- Erste-Hilfe-Set griffbereit. Mehr als zehn
Stiche in kurzer Zeit oder Schwellung im Gesicht: Arzt rufen.
Bekannte Allergie: Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor) immer
mitführen.
- Bei Säurenbehandlung Schutzbrille und
Handschuhe. Ameisensäure und Oxalsäure sind reizend
bis ätzend.
Dokumentation
Eine Stockkarte am Volk spart später viel Rätselraten. Eingetragen
wird mit Bleistift, weil Tinte mit Propolis verschmiert. Inhalt:
- Datum, Wetter, Außentemperatur
- Volksstärke (z.B. „6 Waben mit Bienen besetzt")
- Brutbild (geschlossen, lückig, offen)
- Schwarmstimmung (Spielnäpfchen, Schwarmzellen)
- Honigeintrag, Futtervorrat
- Behandlungen (Datum, Mittel, Menge)
- Beobachtungen am Flugloch
Smartphone-Apps gibt es auch, sind aber in der Praxis durch
Propolis und Wachs schnell verschmutzt. Klassisch geht zuverlässig.
Quellen
- Foxhound Bee Company — Tips and Tricks Blog-Kategorie.
foxhoundbeecompany.com
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei — Basisteil Anfängerkurs.
lwg.bayern.de